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Staatliche Deutsche Oberschule von 1922 bis 1945

1922 - 1937

Während auch das Pirnaer Seminar von Ostern 1922 an abgebaut wurde, begann im gleichen Jahr der Aufbau der Höheren Schulbildung - die Deutsche Oberschule. 

Am 19. April 1922 wurden 22 Knaben zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr aufgenommen. Diese Schüler nannten sich nun nicht mehr "Seminaristen", sondern Sextaner.
Schüler von 10 bis 19 Jahren besuchten nun die Schule; als "Oberschüler" erwarben sie in 9 (seit 1937 in 8) Jahren, als "Aufbauschüler" ( eine "Aufbauschule" war ebenfalls seit Ostern 1923 im Gebäude auf der Seminarstraße untergebracht) in 6 (seit 1937 in 5) Jahren die Reife für den Besuch der deutschen Hochschule.

Es war nun eine allgemeinbildende höhere Lehranstalt. Der letzte Seminardirektor Bartholomey wurde auch Direktor der Deutschen Oberschule und leitete sie bis zu seinem Ruhestand 1937. "Schulgebäude, Schülerheim und Lehrerschaft blieben - Schülerschaft und Lehrplan erhielten ein neues Gesicht" .(4)

In den Folgejahren besuchten auch zahlreiche Mädchen die Pirnaer Oberschule. Auswärtige Schülerinnen konnten seit 1926 im neu errichteten Schülerinnenwohnheim wohnen, betreut von einer Heimleiterin. Der Andrang im neuen Heim machte 1928 noch einen Anbau notwendig, dessen Dachplattform u.a. für naturwissenschaftliche und astronomische Beobachtungen und Gymnastikübungen genutzt wurde.

!930/31 besuchten die Schule 450 Schüler und Schülerinnen. Ostern 1931 wurden die ersten Abiturienten aus je einer Oberschul- und Aufbauklasse entlassen.

Seit Ostern 1934 wurden keine Mädchen mehr in die Deutsche Oberschule aufgenommen, da Pirna seit 1927 bereits eine gut ausgebaute Höhere Mädchenschule hatte. So wurde die Schule in der Seminarstraße allmählich eine reine Jungenschule. Schüler- und Schülerinnenheime blieben erhalten, wurden aber nun von allen höheren Schulen Pirnas genutzt. (6) Ab Ostern 1936 fielen auch die Neuaufnahmen für Aufbauzüge weg, da die Zahl der Aufbauklassen in Sachsen überhaupt verringert wurde.

Mit der Reichsschulreform von 1937 beschloss die Stadt Pirna, ihre eigene städtische Höhere Schule aufzugeben und verschmolz die beiden 8stufigen Schulen der Stadt. Seit Ostern 1939 nahm die staatliche Oberschule die städtische Oberschule (frühere Realgymnasium) bei sich in der Seminarstraße auf. Es entstand die Staatliche Oberschule für Jungen. Die nun sprunghaft angestiegene Schulgemeinde bestand aus 541 Schülern und 44 Lehrkräften und war damit die größte Schule mit Internat in Sachsen. (7)

Seit 1927 erschien der "Pirnaer Bote" als neues Schulblatt der Oberschulgemeinde und berichtete vierteljährlich von der Pirnaer Oberschule. Er war zugleich Mitteilungs- und Austauschblatt der Altpirnenser des früheren Seminars(8).

Ab Schuljahresbeginn 1939 wurden die Klassenbezeichnungen 1 - 8 = Abiturklassen eingeführt. (Die 5.Klasse war also nun an der Oberschule die 1.Klasse.) (9)

1939 - 1945

Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges 1939 wurde auch die Schule für den Krieg "gerüstet". Die Fenster bekamen Verdunklungseinrichtungen und einige Räume wurden dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Später baute man im Kellergeschoss bombensichere Luftschutzkeller, Gasschleusen und splittersichere Fenster ein. (An der Außenmauer Südseite zeugten bis zur Renovierung zwei auf den Putz aufgemalte Doppelpfeile mit der Inschrift LSR (= Luftschutzraum) von dieser Zeit. Eines dieser Zeichen wurde als "historisches Denkmal" erhalten und wieder aufgemalt.)
Durch Wehrdienst von Lehrern und Schülern kam es zu vielen Unterrichtseinschränkungen.

Der Krieg verschonte auch die Schüler nicht. Am 31.August 1943 wurden 66 Schüler des Jahrganges 1927 als Luftwaffenhelfer eingezogen. Sie wurden zum Schutz der "Reichshauptstadt" Berlin eingesetzt, wo sich ein grausiges Schicksal erfüllte. Bei einem Luftangriff im November 1943 traf ein Bombenvolltreffer die Flakstellung der Pirnaer Jungen und tötete auf einen Schlag 11 von ihnen. Sie wurden auf dem Pirnaer Friedhof beerdigt.

Eine größere Anzahl von Jungen aus Bremen, wurde von der dortigen Lüderitzschule durch Kinderlandverschickung nach Sachsen geschickt. In Gastfamilien und durch den Unterricht im Seminargebäude wurde Pirna für zwei Jahre (1943 - 1945) eine zweite Heimat für sie. Noch heute haben viele von ihnen Verbindung zu den Familien ihrer damaligen Gasteltern.

Um das Seminargebäude im Notfall verteidigen zu können, wurden am kleinen Eingang zu beiden Seiten Schießscharten in den Sandstein gebrochen, durch die ein MG - Schütze die Straße unter Feuer nehmen konnte. Diese Durchbrüche sind heute noch vorhanden und wurden bei der Rekonstruktion in den neuen erweiterten Haupteingang mit integriert.

Der Unterricht fand nach dem Bombenangriff auf Dresden kaum noch statt. Die Schule diente u.a. als ein Lazarett.

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